Premiere am Kaiserplatz    

 

 HABE ICH DIR EIGENTLICH SCHON ERZÄHLT…

 

Aufführung des Klassenzimmerstücks „HABE ICH DIR EIGENTLICH SCHON ERZÄHLT…“ (ein Märchen für alle inszeniert als Theater im Klassenzimmer von Helmut Wenderoth nach dem gleichnamigen Roman von Sibylle Berg)

 

 

Wer die Kresch-Premiere am Kaiserplatz nicht miterlebt hat, der hat etwas verpasst. Das Stück konzipiert für Klassenzimmer und uraufgeführt an unserer Schule im Rahmen der Kultur-AG hatte auf deren Mitglieder und einem weiteren AG-Kurs einen enormen Effekt.

 

Zwei Teenager, Anna und Max, erleben auf ihrer Flucht vor ihren Eltern, Annas alleinerziehender Mutter und Max‘ alleinerziehendem Vater und dem ihnen schon vorbestimmten sowie stark gegängelten sozialistischen Schulleben allerlei Abenteuer. Sie wollen der chemisch verseuchten Luft  und der Tristesse in den Wohnblocks der DDR entkommen. Auf ihrer Reise trampen sie durch den Ostblock bis ans Schwarze Meer und fliehen dabei nicht nur vor Kinderhändlern und der rumänischen Polizei,  sondern erleben ein ganz neues Gefühl - das der ersten Liebe. Anna und Max lassen ihre Heimat zurück, die für sie keine war und starten Hand in Hand in ein neues Leben. Die Geschichte der beiden gespielt von zwei Schauspielern, Anna und Hans,  mit einem ganz reduzierten Bewegungsrepertoire und ein paar Kleiderwechseln im Klassenraum überzeugte das Publikum. 

 

Die zwei Darsteller haben einen sonst eher langweiligen und nicht sehr beliebten Ort – das Klassenzimmer - in ein Theater  verwandelt. Der gesamte Raum gemeinsam mit den Zuschauern wurde zu einer einmaligen Bühne. Tische wurden verschoben und Tafeln bemalt, alles mit wenig Aufwand, aber mit einem riesigen Effekt. Die Rollen von Teenagern wurden sehr real dargestellt und man konnte sich mit den beiden Charakteren gut identifizieren. Obwohl es viele witzige und amüsante Stellen im Stück gibt, wird doch schnell deutlich, welche Verhältnisse damals herrschten. Der farblose Osten mit verbotenen Büchern und stark eingeschränkter Lebensmittelversorgung  wurde von den beiden Teenagern satirisch und romantisch zugleich dargestellt und ließ die Wut der beiden gegen das langweilige und trostlose Leben in der DDR klar und deutlich erkennen. Sie wollten diesem mit Hass erfüllten Leben entrinnen und in ein Land gehen, in dem sie ein glückliches und erfülltes Leben führen konnten. Das Stück, das auf einem Buch von Sybille Berg beruht, hat uns Schüler nachdenklich gemacht und auch nicht losgelassen. Man konnte seine Augen nicht abwenden, denn die Reise der beiden durch verschiedene Länder, in denen ihnen viele und für uns meist ungewöhnliche Dinge passieren, hat uns als Publikum in seinen Bann gezogen. Es war tatsächlich wie ein  modernes Märchen für uns Jugendliche gespielt aus der wechselnden Perspektive von Anna und Hans. Am Ende der Vorstellung, nach 40 Seiten Drehbuchtext, gab es für die Darsteller den wohlverdienten langanhaltenden Applaus.